Es ist die Frage, die uns keine Ruhe lässt, die Frage, die dich hergeführt hat. Du kennst die Frage genau wie ich.
Wo ist die nächste Kickerkneipe?
Um gleich mit dem Fazit zu beginnen: Tischfußball spielen nach bestimmten, ausgetüftelten Regeln (inkl. Strafkatalog) gibt es in Berlin nur als Spurenelement. Man oder Frau muss also suchen. Der normale Berliner Tisch-Kickerer spricht vom Kneipenkicker, wenn er ein ausgewachsenes Turnier-Spielgerät meint.
Es gibt aber auch Leute, die Tischfußball fast schon als Sport betrachten und versuchen, nach verbreiteten Turnierregeln zu spielen. Denen ist ein gutes Spielumfeld (Zustand des Tisches, der Bälle, Beleuchtung) nicht ganz egal. Eine verlässliche Hilfe um dieses in Berlin zu finden ist die Berliner-Kicker-Kneipenliste (-> Locations auf Berlin-Karte). Dann stellt sich aber noch die Frage, wo sich geeignete Mitspieler befinden, also solche, die nicht gleich in vorpubertäres Gekicher ausbrechen, wenn mal ein Griffgummi gezückt wird, so dass der nun ebenfalls verlegene Soccerspieler den dazugehörigen Soccerhandschuh gleich stecken lässt.
Exkurs Berliner Kneipenregeln:
- Früher wurde üblicherweise bis 6 gespielt, da die meisten Automaten 11 Bälle auswarfen. So konnten 6 Tore nicht mehr eingeholt werden (maximales Ergebnis wäre 6:5). Vielorts gibt es auch Automaten die nur 9 Bälle auswerfen. Bei fortgeschrittenen Spielern und höherrangigen Turnieren wird generell nur bis 5 gespielt.
- Die Forder-Regel(in vielen Kneipen angewandt): Derjenige, der (zusammen mit einem Partner) Kicker spielen möchte, während schon zwei andere Teams spielen, kann fordern. Dies geschieht, indem man den Einwurfpreis von neuen Bällen auf den Kicker legt (in Deutschland meist ein 50 Cent-Stück), auf den Tisch klopft oder auch mündlich seinen Wunsch zu spielen ausdrückt („Wir fordern!“). Die neu an den Tisch getretene Mannschaft muss das Geld nachwerfen, sobald die noch vorhandenen Bälle verspielt sind. In der Regel gibt das Verliererteam seinen Platz an das fordernde Team ab.
- Bei einigen SpielerInnen sind Torschüsse von der Mittelstange geächtet (auch „betonieren“,„schweißen“ und „holzen“ genannt). Gelegentlich wird auch vereinbart, dass diese nicht zählen (auch "französisch" genannt, da nach französischen Regeln Mittelreihenschüsse generell verboten sind). Andere Varianten erkennen solche Tore nur dann nicht an, wenn sie direkt nach einem Anstoß erfolgen.
- Neben der Einwurfregel wird auch oft mit Anspiel gespielt (auch "Abgabe", "Anstoß" oder "Fair Play" genannt). Dabei wird der Ball z.B. durch eine Ecke ins Spiel gebracht, so dass die Mannschaft im Ballbesitz ist, gegen die das Tor gefallen ist. Falls der Ball mit der Zweier-Reihe nicht richtig ins Spiel gebracht wird, kann für einen erneuten Versuch der Ball zurückgegeben werden (Kulanzregel).
- Unerreichbare Bälle werden (a.) zum Torwart zurückgegeben, falls der Ball sich in seinem Bereich oder dem von der dazugehörigen Zweier-Reihe befindet (wahlweise von den Mitspielenden oder den Zuschauern) oder b. durch "neutralen" Einwurf (mitunter wörtlich zu nehmen) ins Spiel gebracht. Seltener - aber nicht unüblich - ist (c.) die Aktivierung des Balls durch Beeinflussung des Tisches (sprich: rüttlen/schütteln usw.).
- Tore zählen nur dann, wenn der Ball mindestens drei Sekunden im Tor liegen bleibt und nicht wieder rausspringt. In einigen Locations zählen Torwarttore doppelt. Ein sachkundiger Ethnologe berichtete, dass diese Sitte mit dem Film "Absolute Giganten" verfestigt worden sein könnte.
- Der Tisch ist selbstverständliches nicht nur bloßes Spielgerät, sondern dient auch noch als Ablage für Kippen (sowieso), Hefeweizen, Pizzen/Nudelgerichten und als Sitzgerät. Gerne werden die Stangen als Turngerät benutzt (-> Schulzeit/Reck -> Traumatisierung).
- Der Rest wird am Tisch geklärt. Sowieso!
"Du kickerst.
Du siehst einen Fremden.
Plötzlich hörst du eine Münze auf den Tisch schlagen.
Er will dich blamieren.
Was jetzt folgt ist mehr als nur ein Spiel."
Kickern (auch krökeln, hannöverisch bzw. österreichisch Wuz(z)eln oder Ballankan (Kärnten), schweizerisch Töggelen oder Jöggelen) bedeutet im Berliner Raum (und nicht nur hier) das Spiel an einem stabilen Tisch mit acht Stangen. Kickern hat nichts mit einem grünen Rasen zu schaffen. Gemeint sind hier auch nicht die zahlreichen (Ab)-Arten wie Tipp-Kick oder Subbeto.
Exkurs Kickergeschichte:
Der erste Tischfußballtisch in Europa soll von dem Franzosen Lucien Rosengart (* 1880, † 1976) entwickelt worden sein. Er war damals ein Mitarbeiter des Automobilherstellers Citroen. In Anlehnung an diesen „Urtisch“ (die Stangen waren noch am Kopfenden) baute die schweizerische Firma „Kicker“ aus aus Genf ihre Tische. Die Tische waren in der Schweiz, in Deutschland und Belgien so beliebt, dass das Wort „Kicker“ stellvertretend als Synonym für Tischfußball wurde. 1937 sicherte sich das erste Patent auf einen Kickertisch der Spanier Alejandro Finisterre.
Angeblich soll Tischfußball dazu verwendet worden, um die Hand-Augenkoordination von verletzten Soldaten zu rehabilitieren .
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