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Bars als Spielplatz

Bars als Spielplatz für Erwachsene

Kicker, Tischtennis, Kneipengolf: Gastronomen lassen sich immer Neues einfallen

Tischfußball für die KleinenBerlin/dpa (22.09.2006). Bingoabende, Kickertische, Tischtennis: Bars und Clubs verwandeln sich immer mehr in Spielplätze für Erwachsene, nicht nur in den Großstädten. In Berlin wird an diesem Freitag sogar «Kneipengolf» gespielt, nach Angaben der Veranstalter ist es eine Deutschlandpremiere. Dabei werden in der Kulturfabrik Moabit ähnlich wie beim Minigolf Bahnen aufgebaut, Hindernisse sind dabei Omas Kaffeewärmer, ein alter Autoreifen oder ein Bierkasten.

Vor einigen Jahren waren Lounges mit Sofas und Sesseln zum Fläzen und Strandbars der letzte Schrei. Während der Fußball-Weltmeisterschaft stellte fast jede Bar, die etwas auf sich hielt, einen Tischfußball auf und rief zum Tippspiel auf. Hörspielabende versetzen die gereifte Großstadtjugend in ein wohliges Retrogefühl. «Komm' spielen» - so scheint das Motto allerorten zu sein.

Im Café «Kauf' dich glücklich» im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg sitzen beispielsweise Eltern mit ihrem Nachwuchs in der Sonne, dazu gibt es Waffeln wie beim Kindergeburtstag - und auf dem Eistresen altmodische Aufziehfiguren, die sich nicht nur die Kleinen kaufen. Im «Trailerpark» in Mitte haben sich drei Männer um die 40 ausgetobt und Wohnwagen aufgesägt und zu Lounge-Landschaften ausgebaut. «Die Strandbar ist durch», sagt einer der Betreiber. Immer neue Ideen müssen her. Am Spreeufer können sich die Szenegänger in einer Westernstadt aus Holzbuden wie Cowboys fühlen, während die Kinder im Sand spielen.

Bingo und Quizabende sind als Trend aus England nach Deutschland geschwappt. Wie früher auf den Dörfern begeistern sich die jugendlichen Barbesucher für Bingo, bei dem derjenige gewinnt, der zuerst fünf Zahlen in einer Reihe ankreuzen kann. Die Preise sind wohl weniger der Grund. So verschenkt die «Bitsy Bar» im Hamburger Stadtteil St. Pauli glitzernde Mokka-Tassen, CDs mit Blasmusik und Dildos. Das Haus ist voll, die Gäste kommen mittlerweile eine Stunde vor Beginn, um einen Sitzplatz zu ergattern.

Der Spieltrieb in der Erwachsenenwelt ist auch den Trendforschern aufgefallen. Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut (Kelkheim) spricht vom «Peter-Pan-Syndrom» - dem Wunsch nach ewiger Jugend - und von «Dadsters», abgeleitet aus dem englischen «Dad» und «Hipsters». «Sie wollen einfach nicht, dass Elternsein uncool sein muss». Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro meint: «Es fehlen eigentlich nur die alten Atari-Rechner.» Er glaubt auch, dass durch die Fußball-Weltmeisterschaft die Retro-Euphorie noch einmal angeheizt wurde. Am ersten Berliner Kneipengolfturnier ist das Interesse groß, berichten die Veranstalter.

 
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von zitate-online.de